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15. bis 18. Jahrhundert

Im 15. Jahrhundert begann die Entwicklung der urspünglichen Herrengüter Sachsens zu den eigentlichen, mit gerichtsherrlichen Befugnissen ausgestatteten Rittergütern. Die Rittergutsbesitzer nahmen herrschaftliche Rechte wahr, darunter auch die Gerichtsherrschaft. Die Gerichtsbarkeit war an den Besitz eines Gutes (patrimonium) gebunden, nicht an die Person. Der Grundherr war damit Gerichtsherr. Die Rittergüter genossen eine Sonderstellung durch ihren privilegierten Gerichtsstand bis zur Einführung der Verfassung im Jahre 1831. Die Rittergüter wurden eingeteilt in Schriftsassen (deren Besitzer standen unter den oberen Landesgerichten als erste Instanz) und Amtsassen (deren Besitzer hatten das Amt, in dessen Bereich sie lagen, als erste Instanz anzuerkennen). Aus dieser Differenzierung lassen sich Rückschlüsse auf die Stellung der Rittergüter zu den Landesbehörden, dem Landesherrn und ihre Vertretung im Landtag ziehen. Den schriftsässigen Rittergütern stand stets die Ausübung der  Obergerichtsbarkeit und der Erbgerichtsbarkeit, also die volle gerichtliche Selbständigkeit, sowie die Teilnahme an den Landtagen zu. Ein solches Rittergut stellte einen eigenständigen Gerichts- und Verwaltungsbezirk dar. Den amtsässigen Rittergütern oblag nur die niedere oder Erbgerichtsbarkeit. Damit waren sie den Ämtern unterstellt. Im 17. und 18. Jahrhundert beauftragten viele Rittergutsbesitzer ausgebildete Juristen mit der Wahrnehmung der gerichtsherrlichen und Verwaltungsbefugnisse. Die so entstandenen Patrimonialgerichte gehörten unmittelbar zu den Rittergütern. Patrimonialgerichte umfassten jedoch nur die niedere Gerichtsbarkeit, also vor allem Eigentums-, Familien-, Erb- und Gutsrechte, Gesindeordnung und teilweise auch niederes Strafrecht (z. B. Beleidigungen, Raufereien). In bestimmten Fällen und Voraussetzungen konnten sich Kläger und Beklagte an das Obergericht wenden. Jedoch waren die Gutsherrengerichte oft auch die letzte Instanz für die Untertanen des Gutsherren, was einen großen Einfluss bewirkte. Die Blut-, Hals- und peinliche Gerichtsbarkeit blieb in der Regel höheren Gerichten vorbehalten.

In der schriftsässigen Stadt Döbeln im Territorium des Amtes Leisnig lag die städtische Verwaltung, die auch die Gerichtsbarkeit einschloss, in den Händen des Rates. Durch kurfürstliche Verpfändung übte der Döbelner Stadtrat seit 1423 die Ober- und Erbgerichtsbarkeit aus. Das Hospital St. Georgen vor Döbeln besaß seit dem 14. Jahrhundert eine eigene Verwaltung und Gerichtsbarkeit, deren Ausübung zeitweilig dem Amt Nossen oblag. Am 3. März 1833 wurde ein gesondertes Stadtgericht eröffnet, das bis Ende 1851 existierte. Am 1. März 1840 wurde in den Räumlichkeiten des Hospitals das Königliche Gericht zu St. Georgen vor Döbeln eröffnet, dem auch einige Grundstücke in Döbeln und das Dorf Sörmitz unterstanden.