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1830 - 1856

Die grundherrliche Gerichtsbarkeit trat nach den Verwaltungsreformen in den 1830er Jahren bzw. bis zur endgültigen Übernahme der Gerichtsbarkeit durch den Staat im Jahre 1856 gemäß Gesetz über die künftige Einrichtung der Behörden erster Instanz für Rechtspflege und Verwaltung vom 11. August 1855 freiwillig an den Staat ab. Die Kompetenz der Rittergüter sowohl in den Gerichts- als auch in den Verwaltungsangelegenheiten ging an die eigens dafür gegründeten Königlichen Gerichte bzw. an die bestehenden Justizämter über. Die äußerst rückständige Gerichtsorganisation in Sachsen veränderte sich im Rahmen der mit der Verfassungsreform von 1831 verbundenen Verwaltungsreform. Das Ministerium der Justiz, dem bis 1835 das Landesjustizkollegium als zentrale Mittelinstanz  untergeordnet war, übte nunmehr die Oberaufsicht über die Gerichte und deren Personal aus. Mit den sogenannten ABC-Gesetzen von 28. Januar 1835 gelang stufenweise - zumindest in den höheren Ebenen - eine Trennung von Justiz und Verwaltung. Auf der unteren Ebene existierten immer noch Justizämter, Patrimonialgerichte und Stadtgerichte - ohne eine solche Aufgabentrennung - nebeneinander. Nach Einführung der allgemeinen Städteordnung vom 2. Februar 1832 ging die städtische Gerichtsbarkeit zögerlich, ab 1850 zügiger auf den Staat über. Zur Bewältigung der durch die Übernahme städtischer und patrimonialer Gerichtsbarkeiten neu entstandenen staatlichen Aufgaben wurden ab 1833 neben den bestehenden Justizämtern Königliche Gerichte bzw. Königliche Landgerichte als staatliche Institutionen gebildet.

In Döbeln gingen sowohl die städtische Gerichtsbarkeit als auch sämtliche Befugnisse der Gerichtsstelle St. Georgen vor Döbeln auf das am 7. Januar 1852 gegründete Königliche Gericht Döbeln über. An diesem Tag übernahm das Königliche Gericht Döbeln die Verwaltung der Gerichtsbarkeit über die Stadt Döbeln sowie einige Orte und Ortsteile in der Umgebung. Teile der Gerichtsbarkeit des Amts Leisnig gingen ebenfalls auf das Königliche Gericht Döbeln über. Noch im selben Jahr übernahm es auch auch die Patrimonialgerichtsbarkeit der Rittergüter Goselitz, Höckendorf, Keuern und Noschkowitz. Im Jahr 1855 folgten die Rittergüter Ebersbach, Gärtitz, Neudorf, Obersteinbach, Pommlitz, Stockhausen, Wöllsdorf und Ziegra, 1856 die Rittergüter Hermsdorf mit Kobelsdorf, Kleinbauchlitz, Lüttewitz, Möbertitz, Munzig, Naußlitz, Niederwutzschwitz, Oberwutzschwitz mit Niedersteina, Schweta, Siebeneichen, Wendischbora und Zunschwitz.