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Familienorientierung

Die Inhaftierung eines Menschen ist nicht nur ein Einschnitt in das Leben der Person selber sondern auch für dessen Angehörige, insbesondere der Kinder. Durchschnittlich sind über ein Drittel der inhaftierten Männer Väter. Ergebnisse der europaweiten COPING-Studie (2010-2012) belegen, dass 25% der Kinder mit einem Elternteil im Gefängnis auffällig psychisch belastet sind. Eine gute Kontaktqualität zum inhaftierten Elternteil ist ausschlaggebend für die Belastbarkeit dieser Kinder.

Die Justizvollzugsanstalt Dresden widmet sich der Thematik Haft und Familie bereits seit ihrem Bestehen im Jahr 2001 mittels verschiedener Angebote, die über die Jahre weiter ausgebaut wurden.

Angehörigenbeauftragte

Die Angehörigenbeauftragten der Justizvollzugsanstalt Dresden sind Ansprechpartner, die per Mail oder zu telefonischen Sprechzeiten zu Fragen, die rund um die Inhaftierung entstehen, erreichbar sind.

Familienorientierte Wohngruppe

Logo familienorientierte Wohngruppe

Logo familienorientierte Wohngruppe
(© JVA Dresden)

Auf dieser seit mehr als 10 Jahren bestehenden Wohngruppe sind ausschließlich inhaftierte Väter untergebracht, deren Kinder zu Besuch kommen und die zudem über die Inhaftierung des Papas Bescheid wissen. Die Väter sollen trotz der Inhaftierung Verantwortung für ihre Familie übernehmen und in ihren elterlichen Kompetenzen gestärkt werden.

Väter-Wohngruppe

Väter-Wohngruppe

Väter-Wohngruppe
(© Wilhemine Wulff/pixelio.de)

Diese Wohngruppe besteht seit 2013 und ist ebenfalls für inhaftierte Väter, zu deren Kindern allerdings aus verschiedenen Gründen bisher kaum oder gar kein Kontakt besteht. Neben der Unterstützung zum Kontaktauf- bzw.- ausbau setzen sich die Inhaftierten mit ihrer Vaterrolle aus der Ferne auseinander.

Angehörigentage

Auch für die Inhaftierten der Station für Gefangene mit angeordneter und vorbehaltener Sicherungsverwahrung sowie für diejenigen, die auf der Erstvollzugs-Wohngruppe untergebracht sind, werden mehrmals im Jahr Angehörigentage angeboten, um zusätzlich Zeit mit Angehörigen und Kindern verbringen zu können.

Ehe- und Familienfreundlicher Besuch

Blick in den Wohn- und Essbereich des Ehe- und Familienfreundlichen Besuchs der Justizvollzugsanstalt Dresden

Blick in den Wohn- und Essbereich des Ehe- und Familienfreundlichen Besuchs der Justizvollzugsanstalt Dresden
(© MitGefangen e.V.)

Neben einer familienfreundlichen Ausgestaltung des regulären Besuchsbereiches besteht für geeignete Inhaftierte auch die Möglichkeit Besuch von ihren Angehörigen in einer eigens hergerichteten Besucherwohnung mit kleinem Außenbereich zu empfangen. Die Räumlichkeiten umfassen einen Wohn-/ Essbereich und Schlafbereich sowie eine Nasszelle. Dadurch wird für einige Stunden eine Atmosphäre der Normalität geschaffen.

Theaterprojekte der Kunsttherapie

"KLAPPE AUF". Ein Klappmaul-Puppen-Projekt der Kunsttherapie.

"KLAPPE AUF". Ein Klappmaul-Puppen-Projekt der Kunsttherapie.
(© JVA Dresden)

Die KunsttherapeutInnen entwickeln im Rahmen ihrer Theaterarbeit gemeinsam mit inhaftierten Vätern Inszenierungen, die sich mit der Vaterrolle und dem eigenen Kind auseinandersetzen. Die Theaterstücke werden öffentlich aufgeführt und natürlich auch von den Familien der Inhaftierten besucht.

(Erziehungs)beratung und Elternkurse

Für viele Familien, die von einer Inhaftierung betroffen sind, stellt sich die Frage, ob diese Tatsache den Kindern mitgeteilt werden sollte. Aus unserer Sicht gibt es viele Gründe altersentsprechend  ehrlich zu sein. Dazu können sich Eltern während der Haftzeit, aber auch schon vor der Inhaftierung, beraten lassen, wie dies kindgerecht erfolgen kann (Angehörigenbeauftragte Frau Schaefer).

Bereits seit einigen Jahren werden der Elternkurs "Starke Eltern-starke Kinder®" des DKSB e.V. sowie seit 2017 der Elternkurs nach EFFEKT® von dafür zertifizierten Mitarbeiterinnen durchgeführt. Hier können inhaftierte Väter ihre erzieherischen Kompetenzen stärken.

Für Väter deren Entlassung näher rückt und die teilweise bereits wieder Zeit bei ihren Familien verbringen dürfen, wird seit 2017 zur Unterstützung bei der Rückkehr in die Familie ein systemisches Elterncoaching mit dem Titel "Väterliche Präsenz – raus aus der Gastrolle, rein in die Verantwortung" angeboten.

Angebote für Kinder von und mit inhaftierten Vätern

Eine Besonderheit im sächsischen Justizvollzug ist der MitGefangen e.V. Der Verein wurde 2011 von Mitarbeitern des sächsischen Justizvollzugs gegründet, die im Ehrenamt zahlreiche Projekte in Kooperation mit der Justizvollzugsanstalt Dresden anbieten, um die Kind-Eltern-Beziehung trotz der Inhaftierung und der sich daraus ergebenen Trennung zu erhalten und zu stärken.  Mehr Informationen erhalten Sie unter:

Kinder zu Besuch im Gefängnis

Wenn Kinder ihre Papas oder Mamas erstmals im Gefängnis besuchen, betreten sie einen Ort, der ihnen fremd ist und der bereits im Vorfeld viele Fragen aufwirft und sicher oftmals auch danach weitere nach sich zieht. Damit Kinder ungefähr eine Vorstellung bekommen, wie beispielsweise ein Besuch im Gefängnis abläuft und wie Papa oder Mama dort ihren Tag verbringen, hat der Deutsche Caritasverband e.V. im Internet Informationen bereitgestellt, um Kindern Unterstützung zu geben, sich in dieser "Welt" orientieren zu können. Auch wenn einzelne Regelungen von Bundesland zu Bundesland und sogar in fast jeder Justizvollzugsanstalt unterschiedlich sind, findet man unter folgendem Link viele gute Hinweise.

Zudem gibt es ein Online - Informations- und Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche des TREFFPUNKT e.V. unter dem nachfolgenden Link zum Thema Haft. Diese Internetseite möchte vor allem Kindern und Jugendlichen helfen, die schwierige Situation zu bewältigen. Falls Kinder Fragen haben, die das Gefängnis betreffen, oder Informationen und Bücher zu dem Thema suchen, finden sie auf dieser Internetseite viele Antworten. Sollte doch die eine oder andere Frage offen bleiben, kann über die  Onlineberatung persönlich Kontakt aufgenommen werden.

Für konkrete Fragen oder um auch einfach mal seine Sorgen loszuwerden, kann sich dann an die Angehörigenbeauftragten der JVA Dresden gewandt werden.

Ergebnisse der Umfrage Angehöriger von Inhaftierten in Sachsen

Von Oktober 2013 bis Januar 2014 führten Studenten der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit Dresden in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgruppe "Familienorientierter Vollzug" eine Befragung der Angehörigen in allen 10 Justizvollzugsanstalten des Freistaates Sachsen durch. Ziel dabei war es, die Situation Angehöriger infolge der Inhaftierung einer nahestehenden Person genauer in den Blick zu nehmen und Problemlagen und Bedürfnisse zu ermitteln.

Die 1150 in den Besuchsbereichen der Justizvollzugsanstalten ausgelegten Fragebögen erbrachten 300 Rückmeldungen. Dafür möchten wir uns bedanken und Sie an dieser Stelle über die Ergebnisse der Angehörigenbefragung informieren.

  • Angehörige haben im Durchschnitt ein positives Befinden beim Besuch in einer sächsischen Justizvollzugsanstalt.
  • Eine knappe Mehrheit wünscht sich mehr Unterstützung seitens der Justizvollzugsanstalten.
  • Das Verhältnis zu den Bediensteten ist überwiegend gut bis sehr gut.
  • Mehr als die Hälfte der Angehörigen fühlt sich ausreichend informiert.
  • 75% kennen keine Angebote der Familienzusammenführung.
  • Nur 12% wissen, dass es Angehörigenbeauftragte gibt.
  • Die große Mehrheit bespricht die eigene Situation im privaten Umfeld.
  • Die große Mehrheit hat kein Wissen über unterstützende Beratungsstellen im eigenen Lebensumfeld.
  • Die Mehrheit ist sich nicht sicher, ob ein Austausch mit anderen Angehörigen ein entlastendes Gefühl bewirkt.
  • Fast die Hälfte der Angehörigen hat Fahrtwege von 50 bis über 100km in die betreffende Justizvollzugsanstalt.
  • Als Wünsche wurden die Ausdehnung der Besuchszeiten und eine verbesserte Gestaltung des Besuchsbereiches benannt.

Die Landesarbeitsgruppe Familienorientierter Vollzug, bestehend aus Bediensteten aller Justizvollzugsanstalten, wird sich künftig in ihrer Arbeit mit diesen Ergebnissen befassen, damit Sie als Angehörige in dieser schwierigen Situation eine bestmögliche Unterstützung durch die Bediensteten erhalten können.

Patrick Börner
Koordination Familienorientierter Vollzug in Sachsen

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