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Geschichte

alte Luftaufnahme

alte Luftaufnahme
(© JVA Waldheim)

Kurzübersicht über die Justizvollzugsanstalt Waldheim
 

Heinrich Balthasar Wagnitz schreibt in seinen »Historischen Nachrichten und Bemerkungen über die merkwürdigsten Zuchthäuser Deutschlands« im Jahre 1791:

»Waldheim ist gleichsam die Mutteranstalt von allen, das Modell, wonach die übrigen mehr oder weniger geformt sind...«

 
  Wagnitz sollte Recht behalten. Aus welcher Sicht auch immer - das Zuchthaus Waldheim war und blieb bis in unsere Tage seinem Ruf treu, eines der »merkwürdigsten« Deutschlands zu sein.   Das rund 5,3 ha große Gelände wird von einer 5 m hohen Ringmauer umgeben, die mit zusätzlicher Sicherungstechnik versehen ist. Es erscheint heute kurios, dass im Jahre 1716 bei Einrichtung des Hauses zunächst keine Gitter an den Zellenfenstern angebracht waren. Diese wurden erst angebracht, als es zu Selbstmordversuchen durch Herausspringen aus den Fenstern gekommen war. Die Gitter dienten anfangs also nicht in erster Linie der Verhinderung der Flucht.
Auch die zunächst aus dicken Holzbohlen bestehenden Zwischentüren und Tore wurden erst später durch Gitter ersetzt - nun konnte kein »böser Bub« mehr hinter der Tür lauern, ohne vorher vom Wärter gesehen zu werden ...! Da die Justizvollzugsanstalt Waldheim auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken kann, soll hier ein kleiner Überblick über »Gestern und Heute« gegeben werden.


Aus der Geschichte der Justizvollzugsanstalt

1271
Erste urkundliche Erwähnung als Burganlage
(Ritter Heinrich von Waldheim)

1404
Dietrich von Beerwalde wandelt die Burg in ein Augustinerkloster um

1588
Umbau der Gebäude zum Jagdschloss durch den sächsischen Kurfürsten Christian I.

1716
Einrichtung des »Allgemeinen Zucht,- Armen- und Waisenhauses« durch den Kurfürsten Friedrich August I.
(Einweihung am 3. und 4. April 1716)
Die Waldheimer Einrichtung bildet die historische Grundlage für alle späteren Landesstraf-, Erziehungs- und Krankenstationen.
Aufbau und Struktur beruhten auf Erfahrungen der ersten holländischen und deutschen Zuchthäuser.
Am Anfang waren nur 20 Prozent der Insassen Züchtlinge.
Errichtung des Back- und Brauhauses (Abriss 1993) und Einrichtung von Schneiderei, Schuhmacherei und weiterer Hauswerkstätten.

1830
Umwandlung zum reinen Zuchthaus

1838
Mit Inkrafttreten des »Sächsischen Kriminalgesetzbuches« erfolgt die Verschärfung der Vollzugspraxis
Die Waldheimer Anstalt wird eine der berüchtigtsten und gefürchtetsten in ganz Deutschland

1871
Mit der Reichsgründung wird dem Gedanken der Besserung und Umerziehung der Straftäter wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

1876
Einrichtung der ersten deutschen Irrenanstalt für männliche geisteskranke Verbrecher.

1886
Errichtung eines neuen Zellenhauses, genannt »Bremen«, im nördlichen Teil der Anstalt
Einrichtung des Frauenzuchthauses außerhalb der Anstalt

1923
Überführung der Anstalt in die Zuständigkeit der Justizverwaltung

1933
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten erfolgte die Einordnung in das System der Gewaltherrschaft
Fast die Hälfte der Insassen (1703) waren politische Häftlinge.

1945
Befreiung durch die Rote Armee (7.Mai)
Die Mehrzahl der Häftlinge wurde auf freien Fuß gesetzt.

1947
Wiederaufnahme des regulären Anstaltsbetriebes

1950
Aus den aufgelösten sowjetischen Internierungslagern Buchenwald, Bautzen und Sachsenhausen treffen 3.432 Häftlinge in Waldheim ein.
12. April Beginn der »Waldheimer Prozesse«.
Nacht vom 3. zum 4. November Hinrichtung von 24 der 32 zum Tode Verurteilten.

1967
Das ehemalige Frauenzuchthaus (außerhalb der Anstaltsmauer) wird dem Gesundheitswesen übergeben (Einrichtung eines psychiatrischen Krankenhauses) und das im Anstaltsbereich befindliche psychiatrische Krankenhaus wird psychiatrische Abteilung des Strafvollzuges (heute Haus 4 - Sozialtherapeutische Abteilung).

1968
Umbau der Kirche zu einer »Mehrzweckhalle« (Sport, Veranstaltungen, Gottesdienste).
Umbau des »Neuen Zellenhauses« (heute Haus I) mit überwiegend Hafträumen im 3er-Trakt-System (Kollektiverziehung).

1969
Sprengung des »Kuhstalls« (Altes Zellenhaus).

1971
Bau der »Alten Werkhalle«

1976
Bau der »Neuen Werkhalle«

1977
Neues Strafvollzugsgesetz

1981-89
Fassadensanierung mehrerer historischer Gebäude
(Schloßensemble, Kirche, Westgebäude, Verwaltung).

1987
Ausbau der Kirchenorgel und Übergabe an die Lutherkirche in Meißen

1990
Übernahme der Anstalt durch das Sächsische Staatsministerium der Justiz.

1991
Oktober - Gefangenenbestand: 41

1995
Einrichtung einer Jugendabteilung (Ende 1997 wieder geschlossen)
Eröffnung der Sozialtherapeutischen Abteilung (für Gefangene aller sächsischen Anstalten)
Eröffnung des offenen Vollzuges mit einer Abteilung außerhalb der Anstalt.

2001
Sanierungsbeginn des großen Hafthauses I (»Neues Zellenhaus - Bremen«) und der »Neuen Werkhalle«.

2002
Sanierungsbeginn des Verwaltungsgebäudes (Haus 6) und der Umwehrungsmauer.
Fortsetzung der Sanierung Hafthaus I.  

2003
Sanierungsbeginn Anstaltskirche, Fortsetzung der Sanierung Hafthaus I.
Oktober- In der Anstalt wird für Deutschland erstmalig der Strafvollzug von sächsischen Ersttätern konzentriert. Neben der Behandlung Gefangener in der Sozialtherapeutischen Abteilung wird Waldheim die Freiheitsstrafe nur noch an Ersttätern ab 2 Jahre Haftzeit vollziehen.

2004
Sanierungsabschluss und Bezug Hafthaus I

2005
Hafthaus II wird aus Brandschutzgründen gesperrt                                                                                                                                                                  Sanierungsabschluss der Ringmauer der Anstalt nach zwei Jahren                                                                                                                                                   Einrichtung einer Seniorenstation für ältere Inhaftierte im Haus I

2006 nach vierjähriger Bauzeit wurde das sanierte Torhaus an der Dresdener Straße offiziell eingeweiht, einzelne Bauabschnitte wie die Besuchsabteilung und die Torwache waren bereits zuvor in Betrieb gegegangen

2008                                                                                                                                                                                                                                                      Hafthaus II wird abgerissen

2009                                                                                                                                                                                                                                           Beginn des Neubaus Haus II

2010                                                                                                                                                                                                                                    Fertigstellung eines Vater-Kind-Bereichs im Offenen Vollzug

2012                                                                                                                                                                                                                           Übergabe des neu errichteten Hafthaus II

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