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JVA Zwickau ab 1899

Die Zwickauer Neuesten Nachrichten kündigen in ihrer Ausgabe vom 25.Oktober 1899 an:
»Am 1. November des Jahres wird das neue Gerichtsgefängnis seiner Bestimmung übergeben.
Der Bau des Gefängnisses währte etwa drei Jahre und kostete über 800 TM.«
Am 1. November selbst, der Chronist vermerkt für diesen Tag - einen Mittwoch - »eine ganz wunderbar milde, fast sommerliche Temperatur, dass sogar hier und dort noch einmal die Rosenstöcke zu blühen begannen«, können die Zwickauer in ihrer Zeitung lesen: 
»Die neue Gefangenenanstalt wurde heute Morgen ½ 7 Uhr ihrer Bestimmung übergeben, indem sie mit den ersten Häftlingen belegt wurde. Die Anstalt hat 158 Zellen. Wir werden in einigen Tagen Gelegenheit nehmen, eine kurze Beschreibung des imposanten und mit aller modernen Einrichtung versehenen Gebäudes zu geben.«
Als sich schaulustige Zwickauer Bürger davon überzeugt hatten, dass »die Überführung der Gefangenen aus dem alten Gefängnis am Amtsgericht... ohne jeden Zwischenfall« erfolgt war, denn »zur Überwachung der Transporte waren auf den davon berührten Straßen mehrere Schutzleute postiert«, dürften sie dann mit Spannung auf diejenige Ausgabe der Zwickauer Neuesten Nachrichten gewartet haben, welche ihnen nähere Einblicke in das neue Königlich-Sächsische Landgerichtsgefängnis versprochen hatte.
Nach dem 9. November 1899 wusste der am Zeitgeschehen Interessierte schließlich, dass die neue Anstalt, »welche in gefängnistechnischer wie hygienischer Hinsicht Alles in sich vereinigt, was die Neuzeit auf diesem Gebiet gezeitigt hat«, dass »...hier für die Geschäfts- und Gefängnissräume Zentralheizungen, für die Wohnräume Ofenheizungen vorgesehen« sind und »die Ventilation bestens geordnet« ist.
Der Zwickauer Landbaumeister Georg Paul Kemlein schrieb sich als Schöpfer des Baus in die Geschichte des Sächsischen Gefängniswesens ein. Er baute auf einer Fläche von 0,43 Hektar das aus einem dreiflügeligen T-förmigen panoptischen Zellenhaus und dem Verwaltungsgebäude bestehende Gefängnis, welches im Norden an das kurze Zeit vorher errichtete Landgericht anschließt und mit diesem in seiner Architektur harmoniert.
Die bauliche Einheit erreichte Kemlein, indem er für  die Fassaden beider Gebäude vorgeblendetes Klinkermauerwerk wählte, dessen schlichte rote Flächen mit der Plastizität der Schmuck- und Gliederungselemente aus ungefasstem Sandstein kontrastieren.

Mit dem Backsteinbau, mit der haltbaren und vergleichsweise billigen Klinkerbauweise setzte Kemlein im Übrigen auf allgemeine Zeitbedürfnisse und  kam damit nicht zuletzt der Zwickauer  Keramischen Industrie entgegen.

In den letzten 100 Jahren wurden am Gefängnisgebäude gelegentlich Erneuerungen und Modernisierungen vorgenommen. Das architektonische Außenbild blieb aber bis heute nahezu unverändert erhalten.

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