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Pressemitteilungen 2010

06.08.2010 - Die sächsischen Strafgerichte ziehen Bilanz – leichter Rückgang der Verurteilungen in Sachsen

Justizminister Dr. Jürgen Martens stellt die Strafverfolgungsstatistik 2009 vor

Justizminister Dr. Jürgen Martens: »Auch die Zahlen der sächsischen Strafgerichte belegen: Die Kriminalität geht in Sachsen in den meisten Bereichen weiter zurück.«

Die Strafverfolgungsstatistik(I) beschreibt das Ausmaß der Kriminalität anhand der Arbeit sächsischer Strafgerichte. Im Jahr 2009 mussten sich insgesamt 58.466 Personen wegen einer Straftat vor Gericht verantworten. Im Vergleich zum Vorjahr (59.961) ist ein Rückgang von 2,5 % zu verzeichnen. Die Abnahme der Gesamtzahlen ist ein nahezu sachsenweites Phänomen; nur im Landgerichtsbezirk Leipzig war ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Von den Personen, die sich 2009 vor einem sächsischen Strafgericht verantworten mussten, wurden 45.296 verurteilt. Das entspricht einer Verurteilungsquote von 77,5 %. In 22,5 % (13.170) der Fälle haben die Gerichte eine andere Entscheidung getroffen. Davon waren 2.883 Freisprüche und 10.097 Einstellungen des Verfahrens ohne Maßregeln.
 
Mehr Frauen und weniger Ausländer unter den Verurteilten
Auch 2009 haben sich überwiegend Männer strafbar gemacht. Im vergangenen Jahr waren 80,8 % der Personen, die von einem Strafgericht in Sachsen verurteilt wurden, männlich. Der Frauenanteil unter den Verurteilten in Sachsen steigt in den letzten Jahren aber stetig an. Im Vergleich zum Vorjahr ist deren Anteil um 2,3 % gestiegen. Sie mussten sich in den meisten Fällen wegen Vermögens- oder Eigentumsdelikten, wie etwa Diebstahl, Unterschlagung oder auch Betrug und Erschleichen von Leistungen verantworten.(II)

Weiter zurückgegangen ist die Anzahl der nicht-deutschen Staatsbürger unter den Verurteilten in Sachsen. Waren im Jahr 2000 noch 23,3 % der Verurteilten ohne deutsche Staatsbürgerschaft, so sank deren Anteil bis zum Jahr 2009 auf 9,5 % (2008: 9,8 %). An dieser Stelle ist es wichtig zu beachten, dass etwa Verstöße gegen Aufenthaltsbestimmungen von deutschen Staatsangehörigen nicht begangen werden können.

Deliktschwerpunkte – besonders Straftaten im Straßenverkehr nehmen ab
Insgesamt zeigt sich ein Rückgang der Verurteilungen in fast allen Deliktgruppen. Vor allem die Straftaten im Straßenverkehr sind deutlich rückläufig. Im Vergleich zum Jahr 2005 zeigt sich hier ein Rückgang um 25,5 %.(III)

Einen großen Anteil der Straftaten machten mit 48,4 % weiterhin die Vermögens- und Eigentumsdelikte aus. Im Jahr 2009 wurden wegen solcher Delikte 21.945 Personen verurteilt (2008: 21.843). Hier zeigt sich ein leichter Anstieg zum Vorjahr. Dieser geht vor allem auf eine Zunahme der Verurteilungen im Bereich der Diebstähle und Unterschlagungen zurück. Hier waren es 2009 8.267 Delikte, im Vorjahr hingegen 8.118.

Der Bereich der Straftaten gegen die Person(IV) blieb 2009 mit 7.118 Verurteilungen in etwa auf dem Niveau von 2008 (7.190 Delikte). Dabei machten auch 2009 die Körperverletzungsdelikte den größten Anteil mit 83,6 % dieser Kategorie aus (5.949 Delikte).
Im Jahr 2009 gab es in Sachsen insgesamt 84 Verurteilungen wegen Straftaten gegen das Leben(V), darunter 8 Morde.

Altersstruktur der Verurteilten – starker Rückgang bei den Jugendlichen
Unter den Verurteilten in Sachsen waren 2009 4,1 % Jugendliche(VI), 10,9 % Heranwachsende und 85 % Erwachsene. Mit einer absoluten Zahl von 1.862 Jugendlichen gab es im Vergleich zum Vorjahr (2008: 2.324) in Sachsen deutlich weniger Verurteilte dieser Altersgruppe. Betrachtet man die Straftaten im Hinblick auf das Alter der Verurteilten, so zeigt sich eine Veränderung der Deliktstruktur über die Lebensspanne. Mit steigendem Alter nehmen Straftaten gegen die Person ab. Bei Jugendlichen macht diese Deliktgruppe 33 % der Straftaten aus, bei Heranwachsenden 21 % und bei Erwachsenen noch 14 %.

Erteilte Sanktionen
Den überwiegenden Anteil der Sanktionen bei Verurteilten nach Erwachsenenstrafrecht machten 2009 Geldstrafen aus (34.265 Verurteilungen bzw. 83,4 %). In 16,6 % (6.811) der Fälle wurden Haftstrafen verhängt.(VII)  Im Jugendstrafrecht wurden überwiegend Zuchtmittel(VIII) als Reaktion auf straffälliges Verhalten verhängt (in 63 % der Fälle, entspricht 2.686 Verurteilten).

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(I) Bei der Strafverfolgungsstatistik handelt es sich um eine Personenstatistik, die alle Menschen abbildet, die sich im vergangenen Jahr in Sachsen wegen einer Straftat vor Gericht verantworten mussten und deren Gerichtsverfahren abgeschlossen ist.
(II) Insgesamt sind es 8.673 Frauen, die 2009 verurteilt wurden (2008: 8.473). Das entspricht einem Anteil von 19,2 % der Gesamtverurteilten. Mit einer Anzahl von 5.674 Verurteilten hatten die Vermögens- und Eigentumsdelikte einen Anteil von 65,4 %.
(III) Im Jahr 2005 waren 13.378 Straftaten in diesem Bereich zu verzeichnen, 2009 waren es noch 9.963 Delikte (2008: 11.166).
(IV) In dieser Kategorie sind Straftaten im Straßenverkehr nicht verzeichnet.
(V) Unter die Straftaten gegen das Leben fallen fahrlässige Tötung (hier auch im Straßenverkehr), Totschlag, Körperverletzung mit Todesfolge, versuchter und vollendeter Mord.
(VI) Jugendliche bezeichnet die Altersgruppe von 14 bis unter 18 Jahren. Heranwachsende sind zwischen 18 und 21 Jahre alt.
(VII) Von diesen wurden über 70 % zur Bewährung ausgesetzt.
(VIII) Unter die Zuchtmittel fallen im Jugendstrafrecht Maßnahmen wie Schadenswiedergutmachung, das Ableisten von Arbeitsstunden oder der Jugendarrest.


     

 

 


 

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