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Festjahr 2016 - 300 Jahre Strafvollzug im Freistaat Sachsen

Hof der Justizvollzugsanstalt Waldheim mit Linde und Anstaltskirche

Hof der Justizvollzugsanstalt Waldheim mit Linde und Anstaltskirche
(© Justizvollzugsanstalt Waldheim)

Mit der Justizvollzugsanstalt in Waldheim hat der Freistaat Sachsen das älteste noch in Betrieb befindliche Gefängnis in Deutschland.


Ursprünglich mit dem Ziel, den Bettlern und Wegelagerern auf Sachsens Straßen Herr zu werden, ließ August der Starke das „Zucht-, Waisen und Armenhaus“ in Waldheim einrichten. Am 3. und 4. April 1716 nahm es als erste sächsische Landeseinrichtung dieser Art seine Arbeit auf. Seit diesem Tag dienen die Gebäude und Anwesen innerhalb der Ringmauer ohne zeitliche Unterbrechung dem Zweck der Unterbringung von Straftätern, gesellschaftlichen Außenseitern und Gestrauchelten. Auch politisch Verfolgte befanden sich dort in schwierigen Zeiten deutscher Geschichte.

In Waldheim etablierte Dr. med. Adolf Knecht durch die erstmalige Einrichtung einer „Irrenstation bei der Strafanstalt Waldheim“ den Gedanken, dass es psychisch kranke Straftäter gibt und diese einer besonderen Behandlung bedürfen. Er legte damit die Grundlage für den modernen Maßregelvollzug.

Historische Anekdoten, wie die von „Prinz Lieschen“ einer sächsischen Hochstaplerin und der ersten weiblichen Gefangenen Waldheims oder der vierjährige Aufenthalt Karl Mays hinter Gittern gehören ebenso zur Geschichte wie die „Waldheimer Prozesse“, bei denen in Schnellverfahren ab April 1950 3.424 angebliche Naziverbrecher und Gegner des Regimes verurteilt wurden. Von ausgesprochenen 33 Todesurteilen wurden 24 im Hafthaus 1 der Strafanstalt Waldheim vollstreckt.
Im Jahr 1995 ging hier die erste sozialtherapeutische Abteilung für erwachsene Inhaftierte in den neuen Bundesländern in Betrieb. Seit Oktober 2003 wird in Waldheim - für Deutschland erstmalig - der Strafvollzug von erwachsenen Ersttätern mit einer Haftstrafe von über zwei Jahren konzentriert. Im Jahr 2008 wurde im Haus 1 eine Station für ältere Gefangene eingerichtet. Hier sind alte, kranke und pflegebedürftige Inhaftierte untergebracht.

Die Ausgestaltung des Strafvollzugs ist immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft und so reflektiert auch die Geschichte der Justizvollzugsanstalt Waldheim soziale und politische Entwicklungen, Licht und Schatten. Heinrich Balthasar Wagnitz schrieb 1791 in seinen 'Historischen Nachrichten und Bemerkungen über die merkwürdigsten Zuchthäuser Deutschlands': „Waldheim ist gleichsam die Mutteranstalt von allen, das Modell, wonach die übrigen mehr oder weniger geformt sind...“ Wagnitz hat Recht behalten. Aus welchem Blickwinkel auch immer - die Anstalt in Waldheim bleibt bis in unsere Tage ihrem Ruf treu, eines der bemerkenswertesten Gefängnisse Deutschlands zu sein.

Das 300-jährige Gründungsjubiläum der Justizvollzugsanstalt in Waldheim wird als Anlass wahrgenommen, einen Brückenschlag zwischen historischer Rückschau und der Hinwendung zu kommenden Herausforderungen für den Justizvollzug zu wagen. In Rahmen eines Festjahres wird das Thema Justizvollzug für verschiedene Zielgruppen aufbereitet. Veranstaltet wird dieses durch das Sächsische Staatsministerium der Justiz in Zusammenarbeit mit den Justizvollzugsanstalten des Freistaates Sachsen und verschiedenen Kooperationspartnern, wie der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und der Stadt Waldheim.

 

Detaillierte Informationen zu einzelnen Veranstaltungen finden Sie hier:

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Chronik der JVA Waldheim

Strafanstalt Waldheim

Neu erschienen ist die Chronik unter dem Titel »Strafanstalt Waldheim. Geschichten, Personen und Prozesse aus drei Jahrhunderten« von Friedemann Schreiter im Christoph Links Verlag.

Diese kann auch über die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung bezogen werden.

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