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Pressemitteilungen 2011

12.09.2011 - Tod eines Obdachlosen in Oschatz

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat nach dem gewaltsamen Tod eines 50-jährigen Obdachlosen in Oschatz gegen fünf Männer Anklage wegen des Tatverdachts des gemeinschaftlichen Totschlags und gegen einen Mann wegen des Tatverdachts der unterlassenen Hilfeleistung zur Jugendkammer des Landgerichts Leipzig erhoben.

Im Ergebnis der durch die Staatsanwaltschaft Leipzig und die Kriminalpolizei der Polizeidirektion Westsachsen durchgeführten Ermittlungen wird fünf aus Oschatz und Werrmsdorf stammenden Angeschuldigten im Alter von 16 bis 27 Jahren zur Last gelegt, dem 50-jährigen Andre K. am späten Abend des 26.05.2011 in einem Wartehäuschen am Oschatzer Südbahnhof massive Fußtritte und Schläge gegen Kopf und Oberkörper versetzt und diesem dadurch schwerste Kopfverletzungen zugefügt zu haben. Der schwer verletzte und in hilflosem Zustand zurückgelassene Geschädigte wurde erst am Morgen des 27.05.2011 aufgefunden. Andre K. erlitt infolge der Verletzungen u.a. eine schwere Lungenentzündung, so dass er trotz intensivmedizinsicher Behandlung am 01.06.2011 verstarb. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeschuldigten den Tod des Opfers als Folge ihrer Mißhandlungen zumindest billigend in Kauf genommen haben. Einem sechsten ebenfalls aus Oschatz stammenden 36-jährigen Angeschuldigten wird zur Last gelegt, dem Opfer keine Hilfe geleistet zu haben, obwohl ihm dieses möglich gewesen wäre.

Während zwei der Angeschuldigten die Tat im wesentlichen einräumen, wird die Tatbeteiligung durch die anderen Angeschuldigten bisher abgestritten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die vorliegenden Beweismittel zur Überführung aller Angeschuldigten ausreichen werden.

Motiv und Hintergründe der Tat konnten im Verlauf der Ermittlungen nicht vollständig geklärt werden. Die hierzu geäußerten Mutmaßungen sind in der Hauptverhandlung aufzuklären. Das Opfer war soweit ersichtlich allen Angeschuldigten bereits vor der Tat bekannt. Hinweise auf eine rechtsextremistische Motivation für die Tat haben sich nicht ergeben. Ein hinreichender Tatverdacht, dass die fünf des Totschlags verdächtigen Angeschuldigten sich mit der Tat auch des Mordes schuldig gemacht haben könnten, hat sich bisher nicht ergeben. Es wird der Hauptverhandlung vorbehalten bleiben, hierzu den Fall auch insoweit weiter aufzuklären. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat im Hinblick auf den angenommenen mutmaßlichen Tatablauf und die Schwere des Tatvorwurfs für alle Angeschuldigten ein forensisch-psychiatrisches Gutachten zur Prüfung möglicher Einschränkungen der Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt in Auftrag gegeben.

Derzeit befinden sich noch drei Angeschuldigte in Untersuchungshaft. Die gegen die beiden 16-jährigen Angeschuldigten nach deren vorläufiger Festnahme am 05.08.2011 erlassenen Haftbefehle wurden jeweils mit Beschlüssen des Landgerichts vom 01.09.2011 aufgehoben und zur Vermeidung der Untersuchungshaft stattdessen die einstweilige Unterbringung der beiden jugendlichen Angeschuldigten in verschiedenen geschlossenen Heimen der Jugendhilfe angeordnet. Der Haftbefehl gegen den nunmehr nur noch wegen des Tatverdachts der unterlassenen Hilfeleistung angeklagten 36-jährigen Angeschuldigten wurde am 16.08.2011 aufgehoben, nachdem sich der zunächst auch gegen ihn gerichtete Tatverdacht des gemeinschaftlichen Totschlags nicht bestätigt hatte.

Die beiden 16-Jährigen und der 18-jährige Angeschuldigte sind bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten. Die drei anderen Angeschuldigten sind bereits unterschiedlich häufig insbesondere auch im Zusammenhang mit vorherigem erheblichen Alkoholgenuss strafrechtlich in Erscheinung getreten. Der 27-jährige Angeschuldigte stand zum Tatzeitpunkt nach einer Verurteilung wegen Nötigung und Beleidigung unter laufender Bewährung.

Das Strafgesetzbuch sieht für Totschlag eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf und bis zu fünfzehn Jahren vor, in besonders schweren Fällen kann auch auf lebenslange Freiheitsstrafe erkannt werden. Das für die beiden Jugendlichen und möglicherweise auch für den 18-jährigen Heranwachsenden anzuwendende Jugendstrafrecht sieht als Strafrahmen Jugendstrafe von mindestens sechs Monaten und bis zu zehn Jahren vor. Für die einem Angeschuldigten zur Last gelegte unterlassene Hilfeleistung sieht das Strafgesetzbuch als mögliche Sanktion Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr vor.

Fragen zum weiteren Fortgang des Strafverfahrens werden an die Pressestelle des Landgerichts Leipzig erbeten.