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Informationen für Opfer von Gewaltdelikten

Wie verhalte ich mich als Opfer häuslicher Gewalt?

Werden Sie oder Ihre Kinder zu Hause von Ihnen bekannten Personen geschlagen, misshandelt oder missbraucht, dürfen Sie dies in Ihrem eigenen und dem Interesse anderer Beteiligter, insbesondere Kindern, nicht hinnehmen. Eine Anleitung, wie Sie sich verhalten sollten und wer Ihnen bei der Bewältigung einer solchen Situation beisteht, finden Sie für sich und Ihre Kinder im Internetangebot des Freistaates Sachsen. Dort erhalten Sie zudem Informationen über speziell auf solche Situationen abgestimmte Hilfsangebote. Eine Broschüre des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales bietet hierzu ergänzende Informationen. Auch beim Bundesministerium der Justiz sind eine allgemeine Informationsbroschüre zum Thema sowie eine speziell für Jungen und Mädchen als Opfer von Straftaten erstellte Informationsschrift kostenlos erhältlich. Die genannten Broschüren stehen jeweils auch als kostenloser Download zur Verfügung.

Wo kann ich bei einer Straftat erlittene Verletzungen behandeln lassen?

Sie sollten sich, je nach Schwere der Verletzung, von Ihrem Hausarzt, einem Facharzt, in einem Krankenhaus oder bei einem Institut für Rechtsmedizin ärztlich versorgen lassen. Neben der ärztlichen Behandlung werden Ihre Verletzungen hier auch dokumentiert, so dass Sie sich diese in Form eines ärztlichen Attestes bescheinigen lassen können. Dieses Attest kann sowohl im Strafverfahren als auch für die Durchsetzung Ihrer Interessen (Schmerzensgeld, Verdienstausfall etc.) als Beweismittel von Bedeutung sein.

  • Gewalt? Nutzen Sie die Hilfsmöglichkeiten!
    Die Broschüre des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales zu Möglichkeiten und Anschriften des Instituts für Rechtsmedizin der Universtät Leipzig und anderer Einrichtungen finden Sie im Publikationenverzeichnis unter dem Stichwort »Opferschutz«.

Wer bezahlt die Behandlungskosten?

In der Regel kommt zunächst Ihre Krankenversicherung für die Kosten einer ärztlichen Behandlung oder einer folgenden Heilbehandlung auf. Daneben stehen Ihnen als Opfer einer Gewalttat bzw. den Hinterbliebenen unter Umständen Leistungen (z. B. Heilbehandlungen, Beihilfen, Renten) nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) zu, die Sie beim zuständigen Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV) als Versorgungsamt beantragen können. Den Antrag sollten Sie möglichst frühzeitig stellen. Weitere Informationen erhalten Sie bei dem für Sie zuständigen Kommunalen Sozialverband Sachsen.

Kommunaler Sozialverband Sachsen (KSV) - Außenstelle Chemnitz Fachbereich 5 - Soziales Entschädigungs- und Fürsorgerecht

  • SymbolBesucheradresse:
    Reichsstraße 3
    09112 Chemnitz
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    (+49) (0)371-5 77 55 0
  • SymbolTelefax:
    (+49) (0)371-5 77 15 50

Soll ich einen Anwalt einschalten und wer bezahlt dessen Kosten?

Je nach den Umständen der Tat ist es in vielen Fällen angebracht, sich zunächst durch einen Rechtsanwalt beraten zu lassen. Gemeinsam können Sie dann entscheiden, ob eine weitergehende Vertretung auch als Nebenkläger im laufenden Strafverfahren ratsam erscheint. Sie können sich grundsätzlich an jede Rechtsanwältin oder jeden Rechtsanwalt Ihrer Wahl wenden. In einigen speziellen Deliktsbereichen kann es jedoch sinnvoll sein, einen Rechtsbeistand zu wählen, der sich auf diesen Bereich spezialisiert hat (etwa bei Sexualdelikten). Kostenlose Auskünfte über Anwaltskanzleien mit besonderen Schwerpunkten erhalten Sie bei einem Anwaltsverein oder über einen Anwaltsuchdienst (Gelbe Seiten, Telefon-CD oder im Internet).

Beachten Sie bitte, dass bereits das erste Beratungsgespräch in der Regel kostenpflichtig ist! Sollten Sie rechtsschutzversichert sein, fragen Sie bitte bei Ihrer Versicherung nach einer Kostenübernahme für die anwaltschaftliche Vertretung. Im Übrigen wurde in einem Pilotprojekt (bis Ende 2010) in den Städten Löbau, Torgau, Großenhain, Limbach-Oberfrohna, Bischofswerda, Neustadt und Delitzsch die Möglichkeit einer kostenfreien anwaltlichen Erstberatung für einkommensschwache Bürger geschaffen.
In finanziellen Notlagen haben Sie nach dem Beratungshilfegesetz Anspruch auf eine kostenlose anwaltschaftliche Erstberatung. Darüber hinausgehende, weitere Beratungen sind jedoch auch im Rahmen dieses Projektes gebührenpflichtig.

Fragen Sie bei der Rechtsantragstelle bzw. Geschäftsstelle bei dem für Ihren Wohnort zuständigen Amtsgericht nach, inwieweit der vorliegende Sachverhalt entweder über die außergerichtliche Beratungshilfe und/oder über die gerichtliche Prozesskostenhilfe abgedeckt werden kann. Dort können Sie auch den »Berechtigungsschein« für die anwaltschaftliche Beratung beantragen. Die Antragstellung sollte möglichst vor der Beratung, kann aber ausnahmsweise, wenn Sie sich bereits an einen Rechtsanwalt gewandt haben, auch nachträglich erfolgen. Unter bestimmten Umständen übernimmt auch der Weisse Ring die Kosten für die anwaltschaftliche Beratung.

Der Täter trägt die Schuld!

Eines steht fest: Die Verantwortung für die Tat trägt der Täter. Häufig glauben Betroffene von Gewalttaten, dass sie selbst Schuld oder zumindest eine Mitschuld am Geschehen hätten. Manchmal werden ihnen von Außenstehenden, sogar von Freunden oder Verwandten Vorwürfe gemacht (»Hättest Du nicht besser aufpassen können?«) Dies kann auch in verdeckter Form geschehen (»Also mir wäre das nicht passiert!«). Solche Unterstellungen, die meist unbedacht und aus Unkenntnis geäußert werden, können sehr belastend sein. In diesem Fall wenden Sie sich an jemanden, der Ihnen bei der Bewältigung des Erlebten helfen kann.

Wie kann ich das Geschehene bewältigen und wer hilft mir dabei?

Die Erfahrung, Opfer von Gewalt und Kriminalität geworden zu sein, ist für den einen zutiefst erschütternd, der andere wird leichter damit fertig. Die persönlichen Strategien, mit denen Menschen diese Erfahrungen verarbeiten, sind sehr unterschiedlich. Es gibt dafür keine Patentrezepte. Manchmal handelt es sich bei dem Täter auch um eine bekannte Person, was für viele die Situation noch belastender macht. Nicht immer führt die Begegnung mit Gewalt auch zu einem seelischen Trauma mit Begleiterscheinungen, wie quälende, immer wiederkehrende Erinnerungen, Alpträume und Angstgefühle, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit oder Teilnahmslosigkeit. Bei vielen der Betroffenen sind diese Beschwerden nicht sehr intensiv und hören nach kurzer Zeit wieder auf. In machen Fällen werden die Betroffenen mit der erlebten Gewalterfahrung jedoch nicht allein fertig und sind schließlich sogar in ihrem Alltagsleben beeinträchtigt. Dies kann direkt nach der Tat und/oder als spätere Folge auftreten. Grundsätzlich sind die Folgen von Gewalt besser zu verarbeiten, wenn man sich jemandem anvertrauen kann. Das können nahestehende Personen oder aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von professionellen Anlauf- und Beratungsstellen, Vereinen und Initiativen sein, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Opfern zu helfen. Letztere können Ihnen professionelle Hilfe bei der Bewältigung des Erlebten bieten. Die Kontaktdaten zu solchen Organisationen finden Sie in den nachfolgend genannten Broschüren sowie in den Untermenüpunkten »Opferhilfeeinrichtungen in Sachsen«, »Telefonseelsorge« oder  »Weisser Ring e.V.«. Aber auch die Polizei ist Ihnen bei der Auswahl einer geeigneten Anlaufstelle gerne behilflich.

Wie kann ich mich in Zukunft besser vor einer Gewalttat schützen?

Die polizeilichen Erfahrungen im Zusammenhang mit Gewalt und Gewalttaten werden fortlaufend bei der Entwicklung von Vorbeugungsempfehlungen berücksichtigt. Empfehlungen und eine persönliche Beratung für Ihre Sicherheit erhalten Sie kostenlos bei jeder Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle.

Wer steht mir für weitere Fragen zur Verfügung?

Im Freistaat Sachsen steht Ihnen als Opfer einer Straftat oder eines Unfalls ein umfangreiches Angebot öffentlicher und privater Hilfseinrichtungen zur Verfügung. Die Polizei nennt Ihnen gerne Ansprechpartner und Organisationen, die Sie unterstützen, und vermittelt Ihnen auf Wunsch gerne auch einen ersten Kontakt. Weitere Informationen finden Sie auch in den Broschüren des Bundesministeriums der Justiz (Opferfibel).