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Pressemitteilungen 2011

18.08.2011 - Neue Dresdner »Natur- und Umwelt«-Grundschule schon im kommenden Schuljahr

Der Freistaat Sachsen muss den Betrieb der »Natur- und Umweltschule – staatlich genehmigte Grundschule« in Dresden vorläufig genehmigen und die Aufnahme des Schulbetriebs zum 22.8.2011 gestatten. Der private Träger der »Natur- und Umwelt«-Grundschule konnte im Eilverfahren ein besonderes pädagogisches Interesse für sein Konzept der »sozialen, ökonomischen und politischen Aspekte des verantwortlichen Umgangs mit Natur und Umwelt« glaubhaft machen. Dies entschied die 5. Kammer des Verwaltungsgerichts Dresden mit gestern bekannt gegebenem Beschluss vom 16. August 2011 (5 L 392/11).


Um Rechtsschutz nachgesucht hatte ein Verein, dem die Sächsische Bildungsagentur die Genehmigung zum Betrieb einer freien Schule mit dem Namen »Natur- und Umweltschule« versagt hatte. Die Bildungsagentur vermochte ein besonderes pädagogisches Interesse i. S. d. Art. 7 Abs 5 Grundgesetz für den Betrieb dieser Schule nicht zu erkennen.

Die Richter sahen dies anders. Zentraler Gedanke des Schulkonzepts des Antragstellers sei die Weiterentwicklung der Waldkindergartenpädagogik auf die Grundschule. Eine Schule, die an diese pädagogische Richtung anknüpfe, gebe es in Dresden bislang nicht. Wie bei den Waldkindergärten sollten Umwelt, Nachhaltigkeit und Natur nicht nur wie im staatlichen Lehrplan thematisiert und in Exkursionen erlebt werden. Vielmehr solle auch der Unterricht zu großen Teilen in die Natur verlegt werden. Lesen, Schreiben und Rechnen sollten die Kinder nicht im Klassenzimmer, sondern im Wald oder auf freien Plätzen lernen. Dabei erhoffe sich der freie Schulträger von diesem Lernortwechsel vielfältige Anregungen für den Prozess und die Inhalte des Lernens. Die Richter waren der Auffassung, dass sich dieser Ansatz neben weiteren Aspekten gewichtig von dem Lernansatz staatlicher Grundschulen in Sachsen unterscheide, so variantenreich diese auch seien. Von der Bildungsagentur geäußerte Zweifel an der Qualifikation der Lehrkräfte für den Aufbau der »Natur- und Umweltschule« teilten die Richter mit Blick auf Ausbildung und Werdegang der Pädagogen nicht.  

Der Freistaat Sachsen, vertreten durch die Sächsische Bildungsagentur, kann gegen den Beschluss Beschwerde zum Sächsischen Oberverwaltungsgericht einlegen.

Art. 7 Abs. 5 GG lautet: Eine private Volksschule ist nur zuzulassen, wenn die Unterrichtsverwaltung ein besonderes pädagogisches Interesse anerkennt oder, auf Antrag von Erziehungsberechtigten, wenn sie als Gemeinschaftsschule, als Bekenntnis- oder Weltanschauungsschule errichtet werden soll und eine öffentliche Volksschule dieser Art in der Gemeinde nicht besteht.

 

Birgit Ackermand
Richterin am Verwaltungsgericht
stellv. Pressesprecherin