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Das Gebäude

Geschichte des Gebäudes

Das Verwaltungsgericht Dresden ist seit November 2006 zusammen mit dem Arbeits- und Sozialgericht im Fachgerichtszentrum Dresden in ehemals militärisch genutzten, sanierten Gebäuden in der Albertstadt untergebracht.
Diese ist nach dem sächsischen König Albert (1828 bis 1902) benannt, dessen Regierungszeit von 1873 bis 1902 dauerte. Die Schützenkaserne, ursprünglich auch Jägerkaserne genannt, entstand bereits während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/1871 als erster großer Kasernenneubau der Albertstadt. Die Verlegung des Königlich-Sächsischen Schützen- (Füsilier-) Regimentes "Prinz Georg" Nr. 108 von Leipzig nach Dresden im Jahre 1869 hatte den Bau einer neuen Kaserne notwendig gemacht. Bei den Bauarbeiten wurden in den Jahren 1870 und 1871 auch französische Kriegsgefangene eingesetzt. Nach Rückkehr aus dem Frankreich-Feldzug wurde die Kaserne bezogen.
Das im zweiten Weltkrieg zerstörte Hauptgebäude befand sich oberhalb des Alaunplatzes, der seit 1830 als Exerzierplatz der sächsischen Infanterieeinheiten diente. Der schlossartige Bau erhielt neben den Dienst- und Unterkunftsräumen der Soldaten auch ein eigenes Arresthaus, Montierungs- und Schlachthaus, Ställe und weitere Versorgungseinrichtungen. Den Eingang zierten zwei überlebensgroße Schützen aus Sandstein.

ehemalige Schützenkaserne

ehemalige Schützenkaserne
(© Archiv www.dresdner-stadtteile.de )

Mehrfach erfolgten Modernisierungs- und Erweiterungsarbeiten, bei denen das Gebäude 1885 auch ein neues Dachgeschoss mit achtgeschossigen Schmucktürmen erhielt. Im Rahmen dieser Erweiterungsarbeiten, die erst 1913 ihren Abschluss fanden, wurden auch die heute vom Fachgerichtszentrum genutzten Gebäude errichtet. Die "Kleine Kaserne", in der sich heute das Verwaltungsgericht befindet, entstand 1878 im neogotischen Stil als Nebengebäude zur großen Anlage der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schützenkaserne. Der Bau der "Großen Kaserne", in der sich neben Arbeits- und das Sozialgericht auch die gemeinsamen Sitzungssäle, Eingangsbereich, Bibliothek und Cafeteria befinden, erfolgte  zwischen 1909 und 1913.
Nach Auflösung der sächsischen Armee nutzten verschiedene Behörden die frühere Schützenkaserne. Ab 1933 hatten hier u. a. das Wehrmeldeamt und die Wehrwirtschaftsinspektion IV ihren Sitz. 1945 wurde das Hauptgebäude zerstört und bis 1954 abgetragen. Erhalten blieben lediglich die Nebenbauten, die noch bis 1992 von den sowjetischen Truppen genutzt wurden und nunmehr -nach einer umfassenden Sanierung- ihrer neuen Aufgabe als Justizgebäude dienen.
Mit der postalischen Anschrift des Fachgerichtszentrums würdigt die Landeshauptstadt Dresden den am 9. August 1887 als Sohn eines evangelischen Geistlichen in Dresden geborenen Hans Oster, der aus einer nationalkonservativen Haltung heraus ein Gegner Adolf Hitlers war, verschiedene Widerstandsaktivitäten innerhalb der Wehrmacht koordinierte und sich bemühte, Verfolgten des NS-Regimes zu helfen. Sein direkter Vorgesetzter, Admiral Wilhelm Canaris, dessen Verbindungsmann zum Widerstand Hans Oster war, deckte ihn bis zu seiner eigenen Entlassung im Februar 1944. Unmittelbar danach wurde auch Oster, der bereits seit 1943 unter Beobachtung der Gestapo stand, im Rang eines Generalmajors aus der Wehrmacht entlassen, um einen Tag nach dem missglückten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 verhaftet zu werden. In den Putschplanungen war er als Präsident des Reichskriegsgerichts vorgesehen. Am 9. April 1945 wurde Hans Oster gemeinsam mit Wilhelm Canaris und Dietrich Bonhoeffer von Angehörigen der Schutzstaffel im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet.