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Geschichtliche Entwicklung

Justizvollzugsanstalt Waldheim - ältestes Gefängnis Deutschlands

Historische Darstellung der Aufnahme neuer Gefangener in der Anstalt, erste Hälfte des 18. Jahrhunderts

Historische Darstellung der Aufnahme neuer Gefangener in der Anstalt, erste Hälfte des 18. Jahrhunderts
(© Justizvollzugsanstalt Waldheim)

Auf dem Boden der alten Waldheimer Schlossanlage, die wahrscheinlich im 12. Jahrhundert entstand und im Jahre 1271 erstmalig als »markgräfliches Schloss« urkundlich erwähnt wurde, steht heute die Justizvollzugsanstalt Waldheim.

Ursprünglich mit dem Ziel, den Bettlern und Wegelagerern auf Sachsens Straßen Herr zu werden, lies der sächsische Kurfürst August der Starke das »Zucht-, Waisen und Armenhaus« zu Waldheim einrichten. Am 3./4. April 1716 nahm es als die erste sächsische Landeseinrichtung dieser Art seine Arbeit auf. Seither dienen die Gebäude und Anwesen innerhalb der Ringmauer der heutigen Justizvollzugsanstalt ohne Unterbrechung dem Zweck der Unterbringung von Straftätern, aber auch der Internierung von politischen Gefangenen. Die Justizvollzugsanstalt Waldheim ist damit das älteste noch in Betrieb befindliche Gefängnis in Deutschland.

Das Waldheimer Haus bildete die Grundlage für die späteren Landes-, Straf-, Erziehungs- und Krankenanstalten und diente zur damaligen Zeit zahlreichen anderen Anstalten in ganz Deutschland als Vorbild. Der deutsche Theologe, Professor und Gefängnisprediger Heinrich Balthasar Wagnitz erwähnte im Jahr 1792 in seinen »Historischen Nachrichten und Bemerkungen über die merkwürdigsten Zuchthäuser Deutschlands« die Anstalt in Waldheim. So schrieb er: »Waldheim ist gleichsam die Mutteranstalt von allen, das Modell, wonach die übrigen mehr oder weniger geformt sind.« Aus welchem Blickwinkel auch immer - die Anstalt in Waldheim bleibt bis in unsere Tage ihrem Ruf treu, eines der bemerkenswertesten Gefängnisse Deutschlands zu sein.

Historische Anekdoten ranken sich um Sophie Sabina Apitzsch, - auch bekannt als »Prinz Lieschen« - eine sächsische Ho«chstaplerin, die sich im Jahre 1714 als sächsischer Kurprinz ausgegeben hatte, und als erste weiblichen Gefangene Waldheims, hier bis 1717 inhaftiert war. Einer der bekanntesten Gefangenen war Karl May. Er war im Zuchthaus zu Waldheim, zu dem es im Jahr 1830 umgewandelt worden war, von 1870 bis zum 2. Mai 1874 inhaftiert.

Im Jahr 1876 etablierte Dr. med. Adolf Knecht in Waldheim durch die erstmalige Einrichtung einer »Irrenstation bei der Strafanstalt Waldheim« den Gedanken, dass es psychisch kranke Straftäter gibt und diese einer besonderen Behandlung bedürfen. Er legte damit die Grundlage für den modernen Maßregelvollzug.

Ein neues Zellenhauses, die sogenannte »Bremen«, das heutige Hafthaus 1, wurde 1886 im nördlichen Teil der Anstalt errichtet. Im gleichen Jahr wurde ein Frauenzuchthaus außerhalb der Anstaltsmauern in Betrieb genommen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus war die Anstalt in das System der Gewaltherrschaft eingeordnet. Fast die Hälfte der Insassen waren politische Häftlinge.

Im Zusammenhang mit den sogenannten »Waldheimer Prozessen« erlangte die Anstalt im Jahr 1950 traurige Berühmtheit. Ab April 1950 wurden 3.324 angebliche, aber auch tatsächliche, Naziverbrecher und Gegner des Regimes in nicht rechtsstaatlichen Schnellverfahren abgeurteilt. In deren Ergebnis wurden in der Nacht vom 3. zum 4. November 1950 von 33 zum Tode Verurteilte 24 hingerichtet. Eine Vielzahl weiterer Inhaftierter wurde zu langjährigen Strafen verurteilt. Viele damals Verurteilte wurden nach 1990 rehabilitiert.

In der Zeit der DDR-Diktatur waren in Waldheim sowohl politisch Inhaftierte als auch schwerkriminelle Bürger untergebracht. Durch die sogenannte Kollektiverziehung sollten diese zu wertvollen Mitgliedern der sozialistischen Gemeinschaft geformt werden. Die Gefangenen waren in den Hafträumen gemeinschaftlich zum Teil mit bis zu 20 Insassen untergebracht.

Im Jahr 1990 erfolgte die Übernahme der Anstalt in den Geschäftsbereich des Sächsischen Staatsministeriums der Justiz. Aufgrund einer Amnestie befanden sich im Jahr 1991 nur noch 41 Gefangene in Haft.

Justizvollzugsanstalt Waldheim Jahr 1874

Justizvollzugsanstalt Waldheim Jahr 1874
(© JVA Waldheim)

Blick auf das Neue Zellenhaus aus einer Broschüre von 1938

Blick auf das Neue Zellenhaus aus einer Broschüre von 1938
(© JVA Waldheim)

Erdgeschoss des Zellenhauses

Erdgeschoss des Zellenhauses
(© JVA Waldheim)

Schlafsaal in der Anstalt

Schlafsaal in der Anstalt
(© JVA Waldheim)

Anstaltsküche

Anstaltsküche
(© JVA Waldheim)

Schlosswachkomando von 1887

Schlosswachkomando von 1887
(© JVA Waldheim)